Tubli


Tubli

Ich war gerade für ein paar Tage auf einer Konferenz in Estland. Was soll ich sagen? Von diesem Land und seinen Einwohnern kann man einfach nur begeistert sein. Das nördlichste der drei baltischen Staaten ist mit nicht einmal 1,5 Mio Einwohnern geradezu winzig, aber voller Aufbruchsstimmung und dem Drang, ganz vorne mitzumischen. Wie gut sich Estland in den rund 16 Jahren seit der Befreiung aus sowjetischer Besatzung entwickelt hat, ist beeindruckend. Z.B. ist Estland weltweit führend im eVoting, also im Durchführen demokratischer Wahlen per Internet. Fortschrittliche Unternehmen wie Skype haben dort ihre Wurzeln. Und estnische Politiker trafen eine Reihe kluger Entscheidungen. So beträgt die Unternehmenssteuer 0%, solange der Gewinn im Unternehmen bleibt. Erst wer Kapital abzieht, muss versteuern. Vielleicht sollten wir Deutschen mal unsere Minister zu einem Praktikum dort hinschicken?

Während wir von außen womöglich das Baltikum als eine homogene Länder-Gruppe betrachten, sehen die Esten das naturgemäß ganz anders. Ganz im Vertrauen erzählten sie mir, im Gegensatz zu den Letten und Litauern schon aus alter Tradition eher hanseatisch-kaufmännisch veranlagt zu sein. Mir persönlich fehlt da der Vergleich; doch dass die Esten für ihre Nation einige Weichen richtig gestellt haben, lässt sich schwer leugnen. Ein schwer übersetzbares Wort, das vielleicht am ehesten den Charakter und die Bestrebungen der Esten zusammenfasst, lautet „tubli“. Das bedeutet gleichzeitig „brav“, „tüchtig“, „gut“, „ordentlich“, „arbeitsam“, „vorbildlich“, „höflich“, „mit Willenskraft begabt“ sowie noch etwas unerklärlich estnisches.

Fazit

Wenn dieses Völkchen so weitermacht, können wir bald als neuen Benchmarking-Standard „Est Practice“ einführen und von den Esten lernen…