Mit kleinen Mitteln Großes erreichen


Mit kleinen Mitteln Großes erreichen

Vor mir sitzt der Godfather des Punk. So sieht er also aus: ein distinguierter, grauhaariger Gentleman im rosa Flauschepulli.

Neulich besuchte ich einen Vortrag von Marketinggenie Malcolm McLaren. McLaren betrieb in den 70er Jahren in London einen Klamottenladen. Sein Motto damals: Die Schönheit im Hässlichen sehen. Natürlich waren die selbstentworfenen Kleidungsstücke von ausgesuchter Geschmacklosigkeit und dabei obendrein unpraktisch. Sie hatten Laschen und Ketten; die Hosenbeine waren durch Stoffbrücken miteinander verbunden. Ein einzigartiges Produkt war also vorhanden. Jetzt galt es, dies zu vermarkten. Beim Marketing beachtete McLaren dieselben drei Kriterien, die er schon beim Entwickeln von Produktideen anlegte: Ist es subversiv? Ist es sexy? Hat es Stil?

Kurz und gut: McLaren erfand den Punk. Er stellte 1975 eine Boygroup zusammen, die er fortan als Manager betreute: Die Sex Pistols. Popmusik musste damals nach gängigen Maßstäben vor allem „amerikanisch“ sein. Der erste grosse Hit, „anarchy in the UK“, war alles andere als das. McLaren konnte sich die Bemerkung nicht verkneifen, die meisten Amerikaner wüssten ohnehin nicht, was „anarchy“ eigentlich bedeutet.

Auch beim Marketing der Band war er nicht zimperlich. Er überredete die Plattenfirma dazu, die LP in schwarzen Tüten ohne jede Aufschrift (!) an die Plattenläden auszuliefern. Die Ladenbetreiber waren verzweifelt. Sie wussten nicht, unter welchen Buchstaben sie die Tüten ins Regal einsortieren sollten. Die Fans stellten dagegen den gesamten Laden auf den Kopf, in der Hoffnung, doch noch irgendwo eine versteckte schwarze Tüte zu finden. Die Sex Pistols waren – alles in allem – ein Riesenerfolg. Natürlich trug die Band seine Klamotten – auf der Bühne und im Fernsehen. Das Geschäft im Klamottenladen brummte.

Bleibt noch die Frage, wie die Band zu ihrem Namen kam. Ganz einfach. „Sex“ war der Name des Klamottenladens. Und zudem hätten die Bandmitglieder so kleine Dinger gehabt (McLaren verwendete hier einen etwas deutlicheren Begriff), und eine Pistole sei ja schließlich kürzer als ein Gewehr. Deshalb „Sex Pistols“. Ist nicht – lieber Leser – das die eigentliche Bedeutung des Wortes „Effizienz“? Mit kleinen Mitteln Großes erreichen?